Getriebetausch ZF S6-35 gegen ZF S 6-65 im SETRA 208

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Getriebetausch ZF S6-35 gegen ZF S 6-65 im SETRA 208

Beitragvon gutzeit » 16.10.2016, 14:09

Hallo an Alle,

ich habe dieses Jahr so einiges mit meinem Getriebe erlebt und möchte hier kurz berichten.
Schlecht schalten ließ sich das Getriebe in meinem S 208 Bücherbus ja schon immer. Aber der Bus war fahrbar.
Im letzten Winter stand der Bus aber für ca. 7 Monate, weil ich ein Problem mit der Motorbremse hatte. Zur Reparatur musste ich vom Krümmer bis zum Auspuff alles ausbauen und als ich dann endlich fertig war, war das Getriebe durch den langen Stillstand unschaltbar geworden.
War ja eigentlich kein großes Problem, weil ich noch ein ZF S6-65 mit der richtigen Übersetzung im Regal liegen hatte. Gas Getriebe kam vom afganischen Busschlachter in Hamburg und war in einem S 208 verbaut gewesen. Den Gebrauchtteielhändler kenne ich schon lange und weiß, dass er sehr ehrlich ist.
Da ich das Getriebe ohne Grube und Grubenheber nicht selber tauschen wollte, rollte der Bus im ersten Gang, den ich gerade noch reinprügeln konnte, die paar hundert Meter in eine entsprechende Werkstatt bei uns im Industriegebiet. Das Tauschgetriebe auf einer Palette im Bulli hinterher. Einen neuen Kupplungssatz für das S6-65 im SETRA 208 hatte ich besorgt.
Es gab dann folgendes Problem:In meinem SeTRA 208 steckte gar kein ZF S 6-65 sondern ein ZF S6-35. Sehen konnte man das vorher ohne direkten Vergleich auch nicht, weil bei dem Getriebe in meinem Bus das Typenschild wegkorrodiert war. Auf Nachfrage bei EVObus erfuhr ich, dass man wunschweise bei einigen 208 das kleinere Getriebe mit kleinerer Belastbarkeit aber gleicher Übersetzung, verbaut hatte. Mein Bücherbus war so ein Fall. Der sollte ja in Schläfrig Holstein auch nur ein bischen über die Dörfer fahren.
Mein S 6-65 Tauschgetriebe ließ sich dann mit dem neuen Kupplungssatz auch einbauen. Leider ist aber das S 6-65 um ca. 7 cm länger als das S 6-35. Ich brauchte also eine neue Kardanwelle. Die alte war eh nicht mehr schön.
Als wir den Bus von der Grube fahren wollten, stellten wir fest, dass das Schaltschema verdreht war. Der Rückwärtsgang lag nicht mehr links vorn, sondern rechts vorn. Da wo früher der erste Gang war, ist jetzt der 6. .
Dieses Getriebe hat die gleiche Übersetzung wie das Busgetriebe, war aber wohl mal in einem LKW verbaut und fand dann seinen Weg in einen S 208, der bei meinem afganischen Teilehändler geschlachtet wurde. Bei dem werden die zu schlachtenen Busse vom Anlieferer auf den Hof gefahren. Danach werden Sie nur mit dem Stapler geschoben. So war das mit dem verdrehten Schaltbild nicht aufgefallen. Ich hätte das Getriebe, das immerhin ca. 8 Jahre beim Verkäufer meines Busses und bei mir gelegen hatte, auch sofort tauschen können, wenn es denn einen passenden Ersatz gegeben hätte.
Wir sind dann mit dem verdrehten Schaltschema in den Urlaub gefahren und es fuhr sich sehr gut, wenn man sich einmal dran gewöhnt hat. Da ich unterwegs viel häufiger zwischen dem 5. und 6. Gang schalten muss, als in den unteren Gängen, empfinde ich es so sogar als sehr angenehm, die oberen Gänge auf der linken Seite des Schemas direkt neben dem Fahrersitz liegen zu haben. Da die Übersetzung stimmt,ist der Bus auch nicht langsamer.
Ich suche jetzt aber ein kaputtes S6-65, da ich einige Dinge austauschen muss, um das Schaltschema wieder richtig hinzubekommen. Wenn ich den Bus irgendwann einmal verkaufe, sollte das Schaltschema stimmen.

Zum Schluss stellte sich mir die Frage, woran mein altes Getriebe bei nur 280 000 km gestorben ist. Um das zu klären habe ich das alte S 6-35 vor dem Zerlegen abgedampft. Danach brauchte ich es nicht mehr zu zerlegen, weil ich folgenden Befund hatte: Der Nehmerzylinder der Kupplung war wohl über die Jahre minimal undicht gewesen. Dabei war die Hydraulikflüssigkeit ( DOT 4 ) auf die Oberseite des Getriebes getropft. Der Dreck, der sich da eigentlich immer sammelt, hatte das Zeug gebunden. Die Alu-Abschlussplatte des Getriebes hatte es im Laufe der Jahre so zerfressen, dass sich Krater bildeten,von denen einer in einem Loch von ca.10 mm im Getriebe mündete. Durch dieses Loch wurden dann Sand und Wasser ins Getriebe gespült. Das Leck im Nehmrzylinder war so klein, dass ich über vier Jahre kein DOT 4 nachfüllen musste.
Die Erkenntnis daraus: Schaut auch immer mal nach dem Nehmerzylinder der Kupplung und macht das Getriebe an der Oberseite sauber, damit Ihr nicht die gleichen bösen Erfahrungen macht.

Also: Wer hat noch ein altes S6-65 mit defekten Synchronringen?

Viele Grüße

Peter
Peter Gutzeit
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Re: Getriebetausch ZF S6-35 gegen ZF S 6-65 im SETRA 208

Beitragvon frank jellinek » 17.10.2016, 13:58

hallo peter,
nun das s6-65 getriebe ist ja recht häufig. hary bächler hätte bestimmt was.
was mich interessieren würde ist, ob dein händler noch die hinterachse des 208 hat woraus dein getriebe stammt?
gruß frank
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