Reisebericht NORWEGEN 2019 II

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Jürgen M 8282
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Reisebericht NORWEGEN 2019 II

Beitrag von Jürgen M 8282 » 31.08.2019, 00:00

Hallo Mädels und Jungs,
hallo Alle miteinander!

Nachdem mein Junge und ich im April unsere erste Norwegen-Runde begangen haben, war klar, dass Die nicht alleine blieb. Wir sind bei Fred auf dem Jahrestreffen in Bautzen gewesen und ich glaube, da hat man schon gemerkt, der Kerle hat nicht nur einen Virus... :D Jah, was soll ich sagen... ein Schnitzel ist auch nicht nur von einer Seite bekloppt. Auf jeden Fall war das Jahrestreffen bei Fred sehr schön! Hat sehr viel Spaß gemacht!
Leider hat dann die Teilnahme in Schieder wegen Kühlerdefekt nicht geklappt.
Am 27. Juli sind wir dann aufgebrochen Richtung Norden. Zuerst haben wir die alte Dame (meine Mutter) mit ihren 87 Jahren in der alten Heimat Lippstadt besucht und haben uns dann auf den Weg nach Dänemark gemacht. Früher verlief der Weg Richtung Hirtshals, um mit der Fähre nach Norwegen überzusetzen. Aber, wer das kennt, weiss, dass die nicht auf Einen wartet und ich hasse Termine. Deswegen haben wir die nicht gebucht und haben die Brücken über den Störebelt und den Öresund gewählt. Einfach spitze! Mit AutoPass und AutoPassFerje läuft es in Skandinavien einfach rund. Dänemark als Transitland legt einem keine Steine in den Weg. Die Einreise in Schweden scheint auch keine Probleme zu machen; wir mussten nach der Mautstelle der Öresundbrücke nur kurz die Pässe vorzeigen und dem Onkel vom Zoll erklären, dass wir , mit 2 Personen im Doppeldecker, über Stockholm Richtung Norwegen unterwegs sind. Der Blick vom Zöllner war natürlich grandios :shock: er steckte nur kurz sein Gesicht durchs Fenster und gab mir dann die Pässe zurück.... am 29.Juli waren wir dann bei meiner Schwester in Stockholm. Diese Strecke bin ich natürlich auch schon mal mit dem Auto gefahren und für mich ist dieses Stück Schweden nicht so interessant. Das war 2004 mit einem Golf 2 im Januar bei minus 30°C schon etwas anderes! Übernachtet haben wir nur im Bus. Die Familienbesuche haben wir kurz gehalten. Endlich nach Stockholm, den Flughafen Arlanda passiert, wurde es ruhiger und der Verkehr erheblich weniger. Um so weiter man fuhr, um so ruhiger wurde es. Kaum noch Wiesen und Felder, dafür umso mehr Bäume. Dann nur noch Wald, eineige kleine Ortschaften, kaum noch Tankstellen. Wald, Wald und noch mehr Wald, Birken, Tannen.... und noch eine Birke... und noch eine Tanne... sonst nichts anderes mehr. Ab und zu ein Blick auf einen See oder auf den Bottnischen Meerbusen, und dann wieder nur Wald. Also wer die Ruhe liebt..., da ist er richtig. Größere Städte wie Umea oder Skelleftea sahen auch nicht besser aus. Riesige Kreisverkehre, aber, obwohl mitten im Sommer, mitten in der Woche kaum Verkehr. NIx los! Sogar Sporthäfen mit leeren Liegeplätzen (wir hatten uns die Mühe gemacht mal abzubiegen), unbegreiflich, aber wahr und vielleicht sogar verständlich, nachdem man gehört hatte, dass die Ostsee irgendeine Krankheit und diese komischen Algen oder diese durchsichtigen Viecher da im Wasser sein sollen. Keine Ahnung. Aber für den Tacho eine feine Sache. Die Kilometer sind nur so gelaufen. Wir sind am Dienstag, den 30.07. die E4 hoch bis auf die E 10 zum Nordpolarkreis gekommen. Nun, an dieser Stelle sei gesagt, dass ich zwei Kollegen habe, die aus diesem Teil Schwedens kommen und sie mich schon vorgewarnt haben. Aber dass das jetzt so realistisch geworden ist, war doch etwas schockierend. Viele Wohnmobile waren unterwegs. An einer Tankstelle kam man sich auch verloren vor. DKV war in Pitea nicht bekannt, an einer Europastrasse. Ohne Worte.
Gut, das ganze ist halt eine Erfahrung und es hat trotzdem Spaß gemacht! Jetzt ist natürlich jedem seine Ansicht anders, der diese Strecke mal gefahren ist und ich bin der Meinung, jeder muss sich sein eigenes Bild machen. Was auf den Einen negativ wirkt, kann für den Anderen super toll sein! Aber auch wenn man seine negativen Eindrücke hatte, so ist doch alleine schon die Freiheit, die man in einem Wohnbus geniesst, einfach nur geil! Auch dieses Gefühl, auf sich alleine gestellt zu sein, einfach eine ganz tolle Lebenserfahrung! Du stehst ja jetzt nicht in "Schwarze Pumpe", sondern mitten in der Natur. Ganz allein. Das hat was!!!
Am nächsten Tag sah die Welt aber schon ganz anders aus. Weiter auf der E10 an Gällivare vorbei fängt dann schon bald im Norrbotten die Seenlandschaft an. Es gibt zwar noch viel Wald, aber die Vegetation verändert sich. Die Bäume haben nicht mehr die Höhe und das Klima wird etwas rauher, aber irgendwie frischer, natürlich auch windiger. Die E 10 von Kiruna bis Riksgränsen einfach wunderschön, mit den vielen Seen, unübertrefflich. Auch interessant die Eisenbahnlinie ab Kiruna in Richtung Narvik, manchmal direkt neben der Strasse, ab und zu auch mal weiter weg, aber Du kannst den Zug trotzdem noch sehen, weil die Bäume nicht mehr hoch sind. Erzzüge, 3 Lokomotiven und dann unzählige Wagen, wie auf DMax. :D Dort haben wir auch auf Höhe Rautas unser erstes Rentier kennengelernt. 100 Meter vor uns latschte es einfach über die Strasse und mein Junge hat sich beim Wiener-Würstchen essen ganz schön erschrocken über das heftige Bremsen. Da bist Du aber gewarnt!!! Das war mein Erstes. Das Zweite liess nicht lange auf sich warten und frass seelenruhig am Wegesrand; gut es ist zwei Schritte zurück gegangen, aber GottseiDank nicht auf die Strasse. Ich bin ganz froh, dass ich die erste Sichtung mit so einem Ren am Tage erleben durfte, wie wäre es wohl in der Dämmerung oder bei Nacht gewesen? Wir haben dann dort einen schönen Platz gefunden und den restlichen Tag bei Björkliden verbracht (Abisko Nationalpark).....

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Re: Reisebericht NORWEGEN 2019 II

Beitrag von Jürgen M 8282 » 07.10.2019, 20:55

Am nächsten Tag sind wir die restlichen paar Kilometer zur Riksgränsen gefahren, an einigen Stellplätzen vorbei, aber nur Joghurtbecher.
Die Reichsgrenze ansich sah sehr verlassen aus. Da waren bestimmt schon etliche Jahre keine Grenzer mehr. Direkt nach der Grenze
merkte man gleich die norwegischen engen alten Strassen. Eng, sehr kurvenreich und steil bergab. Der Weg dorthoch in Schweden, langgezogen
ohne wilde Steigungen, wenig Kurven, in Norwegen genau das Gegenteil!
Zuerst haben wir uns Narvik angeschaut. Sind etwas herumgefahren und haben uns im Hafen eine Pause gegönnt. Insgesamt haben wir dort
aber nichts Besonderes gesehen, was uns zu einem längeren Aufenthalt bewegt hätte. Also sind wir über zwei echt große Brücke weiter rüber
auf die Lofoten. Vor der zweiten Brücke war eine große Anzeige, die die Windgeschwindigkeit in m/s angezeigt hat. Ja, toll, jetzt rechne
das mal auf die Schnelle um... was soll ich sagen, ein Doppeldecker hat halt eine größere Angriffsfläche! Ich hab nur den Kleinwagen vor mir
gesehen, und dann war ich dran. Ach Du ahnst es nicht! Irgendwie aus Reflex hältst Du dann dagegen, und irgendwie klappt die Überfahrt
auch, aber denken tust' da nicht viel auf einer nur zweispurigen Brücke, ohne Gehweg, mit einer echt atemberaubenden Sicht in die Tiefe.

Aber das sind die Momente, die uns hier eigentlich in Mitteleuropa genau fehlen, finde ich. Vor jeder Kurve eine Geschwindigkeitsbegrenzung,
vor jedem Huckel ein Warnschild und bei dem kleinsten Scheiß eine in Schilder ausgewiesene Begrenzung. Bei uns ein Schilderwald ohne Ende.
Für solche Erfahrungen kannst halt jeden ADAC-Kurs wegwerfen. Die pure Natur, ohne wenn und aber. Wie ist das erst in Ländern, wo nicht nur
die Natur dich beherrscht, sondern auch z.B. die Politik im weitesten Sinne, oder schlicht und ergreifend die Menschen...

Gerade drüben, gleich in der erste Kurve, kaum zu glauben, ein Elch, der völlig ohne Plan, total verwirrt von links nach rechts und
gleich wieder zurück läuft. Total unberechenbar, alle Fahrzeuge stehen und warten, bis der Elch "entkommen" kann.
Sehr beeindruckend die ganze Situation, also ehrlich, für die paar Kilometer haben wir viel gesehen. Ich halte bei der nächsten Möglichkeit an,
ein echt geiler Platz an einer uralten Anlegestelle, als es wohl die Brücken noch nicht gab, für damals noch kleine Fähren. Eine Rundumsicht
mit den zwei Brücken, bis hinüber nach Narvik, superschön.

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Re: Reisebericht NORWEGEN 2019 II

Beitrag von Jürgen M 8282 » 07.10.2019, 22:52

Bewundernswert für mich war das Verhalten meines Jungen. Irgendwie völlig mitgerissen von der Umgebung, hat er die Angelrute herausgeholt
und versucht, etwas zu fangen, hat für uns beide gegrillt, das Ufer erkundet, den Schiffen bei der Einfahrt nach Narvik zugesehen und
hat eine Ruhe und Zufriedenheit ausgestrahlt, wie ich es selten bei ihm zuvor gesehen hab. Schön! Am nächsten Tag, nach 12 Stunden Schlaf
und einem deftigen Frühstück sind wir auf den Hammerstad Campingplatz (Vatterfjord) und haben uns den Wind der Lofoten um die Ohren pfeiffen
lassen. Dort gibt es Boote zu mieten und wir sind bis vor Litlmolla gefahren und haben die stehenden Wolken über den Bergen bewundert.
Für mich war das sehr entspannend, Sammy ist gefahren und ich konnte mich bei nicht nur einem Bier super gut umschauen. Die Lofoten sind
schon anders. Richtig frisch und klar, Natur pur! Mitten im Sommer 18°C, selten wärmer und immer eine frische Brise.

Aber kommen wir jetzt zum negativen: leider merkt man, wie den Menschen dort der Tourismus auf den Sack geht. Wegen den vielen Wohnmobilen,
sind die Zufahren zu den kleineren Wegen meist durch Schranken abgesperrt. Was einem dort auch an Joghurtbecher auf der E 10 entgegen kommt,
ist nicht mehr feierlich. Man glaubt gar nicht, wie viele Norweger ein Wohnmobil besitzen. Auch auf dem Hammerstad Campingplatz, gegen Mittag
fast leer, tümmelten sich ab 17.00 Uhr die Wohnmobile wie bei einer Invasion. So schön, wie die Natur auch dort ist, das hat keinen Spaß mehr
gemacht. Wir sind am nächsten Tag weiter und haben die Fähre von Svolvär über Skrova nach Skutvik genommen mit dem Ziel Saltstraumen.
Hier war auch interessant zu sehen, wie man die Leute hat stehen lassen, als die Fähre voll war. Gott sei Dank, dass wir rechtzeitig da waren.
Über 20 Fahrzeuge konnten nicht mehr auf die Fähre, da war um 16.00 Uhr Abfahrt, bzw. für die Zurückgebliebenen Feierabend. Insgesamt empfand
ich diesen Teil Norwegens etwas abweisend. Die Preise auf dem Campingplatz überdurchschnittlich hoch, auch wenn der deutsche Besitzer
(gebürtiger Hamburger) mit seinem Sohn relativ nett war. Auch auf der Insel Skrova alles auf Touris ausgelegt, mit vielen Hotels, Restaurants
und Cafe's, Bootstouren zum Wale anschauen. Dies ist eben ein Teil Norwegens, vergleichbar mit dem Südwestlichen Teil, von Oslo aus gesehen.
Die Osloer haben dort viel ihre Ferienhäuser. Ich war vor 2 Jahren in der Nähe von Tvedestrand und hat es in dem Fjord soviele Boote gehabt,
dass man kaum noch das Wasser gesehen hat.
Aber deswegen sind wir ja diese Runde gefahren, wie damals im April die Südliche. Einfach einmal alles austesten, anschauen, sich eine eigene
Meinung bilden. Trotzdem, auch solcher Erfahrung, einfach genial! Dazu gehört auch mal eine Unterhaltung mit einem Norweger, auch ohne die
Sprache zu beherrschen. Teils englisch, etwas deutsch, ein paar Brocken norwegisch... es funktioniert! Erfreulich ist auch, dass man mit
so einem 12-Meter-Gerät keine Nachteile dort hat. Bisher war immer ein Platz für uns auf jedem Campingplatz, immer irgendwo eine Stellmöglichkeit
und wir sind bis jetzt noch nie abgewiesen worden, auch wenn wir Diese wenig genutzt haben.

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